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Ein Diplomfilm an der Filmakademie Baden Württemberg,eine Koproduktion mit dem HR, Jörg Himstedt, medium length, 45 Minuten, 35mm, 20er Jahre
Mit   Esther   Zimmering,   Mathias   Schweighöfer,   Ingeborg   Westphal   und   Wolfgang   Packhäuser.   Buch   &   Regie   Carsten   Unger, Kamera Lars Petersen, Set-Design Christian Strang, Produktion Rezah Bahar.
CARSTEN UNGER  writer & director
“Wer den Faschismus verstehen will, muss die Sehnsüchte verstehen, die er bedient hat.”. Interview im Rahmen der Debütfilm Reihe des Hessischen Rundfunks mit Regisseur Carsten Unger, Redaktion almu. Sie    haben    mit    Esther    Zimmering    und    Matthias    Schweighöfer    zwei    sehr    namhafte Jungschauspieler   für   Ihren   Film   gewonnen.   Wie   viel   Einfluss   hatten   die   beiden   auf   die schlussendliche Form des Films? Wie   viel   Einfluss   hat   ein   Modell   auf   die   Form   eines   Gemäldes?   Das   Modell   erfüllt   das   Gemälde   mit Leben,   doch   die   Form   der   Darstellung   bestimmt   der   Maler.   Auch   die   Schauspieler   sollten   die Möglichkeit    haben    sich    ganz    auf    ihren    Ausdruck    und    ihr    Spiel    zu    konzentrieren.    Dennoch, Schauspieler    haben    einen    instinktiven    Riecher    für    ihre    Figuren    und    können    schon    in    der Vorbereitung   wertvolle   Impulse   zum   Beispiel   beim   Kostüm   und   Maskendesign   geben.   In   diesen Prozess   haben   wir   unsere   Schauspieler   mit   eingebunden.   All   das   hat   jedoch   seine   Grenzen,   denn   ab einem   bestimmten   Punkt   muss   der   Schauspieler   los   lassen   können,   den   Filmemachern   vertrauen und sich hingeben, um frei zu sein für den Augenblick. Ihr     Film     nimmt     sich     einen     geschichtlichen     Hintergrund,     spielt     an     einem     ganz bestimmten   Zeitpunkt   in   der   deutschen   Geschichte.   Wie   kommt   man   mit   knapp   30 Jahren darauf, einen Film zu drehen, der in den 20er Jahren spielt? Der   Auslöser   für   den   Film   war   das   Gemälde   „Anita   Berber“   von   Otto   Dix.   Das   Bild   zeigt   die   Sängerin Anita   Berber   am   Ende   ihrer   Karriere,   in   einem   feuerroten   Kleid   und   einem   verlebten   Gesicht   aus weißem   Porzellan.   Dieses   Bild   war   für   mich   der   Inbegriff   vom   Untergang   der   goldenen   20er   und   der emotionale   Zugang   zu   der   wohl   kulturell   aufregendsten   Epoche   Deutschlands.   Mir   scheint,   als hätten   die   wilden   20er   wie   in   einem   Schnellkochtopf   unter   hohem   Druck,   die   folgenden   Jahrzehnte in   einem   Schnelldurchlauf   vorweg   genommen.   Die   Zeit   der   Freiheit   währte   jedoch   nur   wenige Jahre,   ihr   folgten   bald   Diktatur   und   Krieg.   Was   waren   die   Ursachen?   Wer   den   Faschismus   verstehen will,    muss    die    Sehnsüchte    verstehen,    die    er    bedient    hat.    Viele    dieser    Sehnsüchte    sind    die unerfüllten Träume am Ende der goldenen 20er Jahre.  „Der    Blaue    Affe“    wurde    ja    komplett    im    Studio    gedreht,    mit    einem    aufwendigen Szenenbild   und   einem   großen   Ensemble.   Wie   war   das,   einen   ganzen   Film   komplett   im Studio zu drehen? Die   Arbeit   im   Studio   hat   uns   die   Freiheit   gegeben,   den   Film   mit   der   gleichen   Präzision   zu   gestalten, wie    der    Maler    sein    Bild.    Natürlich    kann    die    Freiheit    auch    zum    Korsett    werden,    denn    viele Entscheidungen   werden   Wochen   oder   Monate   im   Vorfeld   getroffen   und   lassen   beim   Drehen   kaum Spielraum.   Ein   leeres   Studio   in   ein   pulsierendes   Varieté   zu   verwandeln,   war   für   alle   Abteilung   eine große   Herausforderung.   Wir   waren   gezwungen   sehr   genau   zu   kommunizieren   und   sorgfältig   zu planen.   Dadurch   entstand   zwischen   uns   ein   sehr   reger   und   befruchtender   Austausch.   Wir   wussten, dass    der    Zuschauer    irgendwann    den    Blick    nach    Außen    einfordern    wird,    also    haben    wir    uns entschieden    die    Welt    außerhalb    des    „Blauen    Affen“    in    Form    von    animierten    Ölgemälden darzustellen. So hat sich für uns der Kreis zum Ursprung des Films wieder geschlossen. Sie haben auf 35mm-Film gedreht. Wie waren Ihre Erfahrungen damit? Manche   Bilder   werden   mit   einem   Stück   Kohle   auf   Pappe   gemalt,   andere   mit   prächtigen   Kalkfarben an   die   Decken   von   Kirchen.   Wir   haben   im   Vorfeld   mit   verschiedenen   Formaten   und   Filmmaterialien experimentiert   und   irgendwann   hat   es   „Woup“   gemacht,   die   Kulissen   sind   zum   Leben   erwacht   und wir   hatten   unser   Material   gefunden.   In   diesem   Fall   war   es   35mm   Fuji   Etherna   500.   Aufgrund   des begrenzten   Budgets   hatten   wir   für   eine   Plansequenz   nur   ein,   maximal   zwei   Takes.   Mir   gefällt   diese Form   zu   arbeiten,   denn   sie   fordert   von   allen   Beteiligten   hohe   Konzentration   und   Sorgfalt.   Auch wenn   ich   den   Film   gegenüber   digitalen   Formaten   als   sinnlicheres   Format   empfinde,   versuch   ich meine persönlichen Vorlieben hinter die Anforderungen der Geschichte zu stellen. Sind   Sie   jetzt   abonniert   auf   Ausstattungsfilme?   Oder   würden   Sie   auch   einen   Film   in einem ganz anderen, realistischeren Stil drehen? Ich   habe   während   meines   Studiums   an   der   Filmakademie   sehr   unterschiedliche   Filme   verschiedener Genre   und   Formate   gedreht.   „FASS   MICH   AN“   ist   zum   Beispiel   nach   den   Regeln   von   Dogma95 entstanden,   puristisch,   nackt   und   rau.   Ich   bewundere   Regisseure   wie   Ang   Lee,   die   sich   spielend sicher    in    ganz    unterschiedlichen    Genres    bewegen    und    trotzdem    immer    ihren    Filmen    eine persönliche Handschrift verleihen © CARSTEN UNGER (writer&director)
© Carsten Unger
Der   Blaue   Affe"   erzählt   die   letzte   Liebesgeschichte   der   goldenen   20er   Jahre.   Auf   der   Suche   nach   der   vollkommen Schönheit   trifft   der   junge   Maler   Laurin   (Mathias   Schweighöfer)   im   wilden   Varieteleben   des   "Blauen   Affen"   auf   die   schöne Sängerin   Marie   (Esther   Zimmering.   Am   Schwarzen   Freitag,   der   letzte   Nacht   der   wilden   20er   Jahre,   erleben   wir   über   das Scheitern   ihrer   Liebe,   den   Untergang   einer   Epoche,   an   deren   Ende   längst   der   erste   Schritt   zum   Aufstieg   des   dritten Reiches   gemacht   war.   Der   Blaue   Affe   erzählt   nicht   über   die   Zeit,   sondern   aus   der   Zeit   heraus   und   so   tauchen   wir   ein   in die   Welt   der   Kunst   der   wilden   20er   Jahre.   Eine   Welt   in   der   die   Gemälde   von   Otto   Dix,   Tamara   de   Lempicka   und   Greoge Grosz   zur   Musik   von   Friedrich   Holländer   lebendig   werden.   So   wird   der   Blaue   Affe   zu   mehr   als   einem   Film,   er   wird   zur Malerei   und   erscheint   im   Ganzen   als   ein   Gemälde,   das   vermag   die   Gefühle   erlebbar   zu   machen,   welche   so   tief   mit   der Kunst der 20er Jahre verbunden sind: Der Verlust der Unschuld und die Sehnsucht nach Halt
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